Verbandsgemeinde Jockgrim
Hatzenbühl - Jockgrim - Neupotz - Rheinzabern

Integration kann gelingen

Das Schicksal vieler Flüchtlinge ist oftmals so schwer, dass sie auch fern von der Heimat immer noch befürchten, verfolgt zu werden. Aus Rücksicht hierauf wird Name und Herkunft der Flüchtlinge auf dem Foto nicht genannt.

 
  

vorne v. li.: NN, Annelie Metz, hinten v. li.: Nesibe Dogan (Flüchtlingssozialarbeit in der Verbandsgemeinde Jockgrim), Dr. Saleh Barmo (Beirat für Migration und Integration der Verbandsgemeinde Jockgrim), Bürgermeister Uwe Schwind, Claudia Leitmann (Café Bunt), NN

Bürgermeister Uwe Schwind war zu Besuch im Café Bunt und sprach mit einem Flüchtling über sein Schicksal in der Heimat und wie sein neues Leben in Deutschland aussieht. Das Café Bunt ist eine besondere Begegnungsstätte für Asylbewerber und Einheimische. Es wurde vom Beirat für Migration und Integration der Verbandsgemeinde Jockgrim initiiert und findet unter der Leitung von Claudia Leitmann mit Hilfe von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern jeden Montag im evangelischen Gemeindezentrum (Parkring 10, Jockgrim) von 16 – 18
Uhr statt. Schwind zeigte sich bei seinem Besuch beeindruckt, wie gut das Angebot im Café Bunt sowohl von den Flüchtlingen als auch von Bürgerinnen und Bürgern der Verbandsgemeinde Jockgrim angenommen wird.

Der 34 Jahre alte Flüchtling, den Schwind im Café Bunt kennenlernte, ist Witwer und alleinerziehender Vater eines 9-jährigen Sohnes. Seine Frau kam aufgrund einer politischen Verfolgung auf grausame Art und Weise ums Leben. Aus Sicherheitsgründen möchte er, dass sein Name, seine Herkunft und Details seines Schicksals nicht genannt werden. Für die Flucht auf einem kleinen Schlepperboot setzte er seine kompletten Ersparnisse ein. Den fehlenden Betrag der großen Summe, welche die Schlepper ihm abverlangten, bekam er von seinen Eltern, Geschwistern und Freunden, die zusammenlegten, um ihn und seinen Sohn in Sicherheit wissen zu können.

Anneli Metz aus Jockgrim ist engagiert als Patin für den Beirat für Migration und Integration und pensionierte Schulleiterin. Sie unterstützt den Flüchtling bei Behördengängen, beim Erlernen der deutschen Sprache, gibt Tipps für die Erziehung seines Sohnes und kümmert sich um den Kontakt zu Schule und Vereinen. Kennengelernt hat sie Vater und Sohn über ihre Enkelin, die die gleiche Klasse wie der Junge in der Grundschule Jockgrim besucht. Sie bezeichnet die Beiden als „Muster einer vorbildlichen Integration“. Der Junge sei sehr beliebt in seiner Grundschulklasse, er spreche mittlerweile sehr gut Deutsch, wodurch er inzwischen erfolgreich am Unterricht seiner Klasse teilnehmen kann. Auf dem Fußballplatz habe er bei seinem neuen Hobby viele Freunde gefunden.

Sein Vater falle durch sein zurückhaltendes und freundliches Wesen auf. Er sei ein geschickter Handwerker und arbeite regelmäßig im Bauhof der Verbandsgemeinde, wo er vor allem zur Unterstützung der Hausmeister an den Grundschulen eingesetzt wird. Für sein engagiertes Arbeiten ernte er viel Zuspruch, berichtet Anneli Metz. Die Erledigung des Haushalts falle dem alleinerziehenden Vater sehr leicht und es bereite ihm Freude, die ihm zugeteilte Wohnung immer im perfekten Zustand zu präsentieren. Die Zubereitung von gesunden Mahlzeiten sei eine Selbstverständlichkeit für den Asylbewerber. Bei Veranstaltungen von Vereinen und anderen öffentlichen Events sind Vater und Sohn regelmäßige Besucher. Ursula Keiber aus Jockgrim, die als Dolmetscherin unterstützt, vermittelte den Kontakt zum Männerchor von Jockgrim. Hier finde der Asylbewerber in der Musik Abstand von seinem schweren Schicksal.
Anneli Metz räumt ein, dass das „Deutsch“ des Vaters, anders als beim Jungen, nach wie vor holprig sei. Er verstehe jedoch sehr viel und das Sprechen falle ihm zunehmend leichter. Insbesondere beim Erlernen des Schreibens ist die Patin eine gute Hilfe. Die pensionierte Lehrerin ist sich sicher, dass ihr Schützling eines Tages seinen Traum verwirklichen könne und eine Anstellung bei einem Handwerksbetrieb findet. Durch die regelmäßigen Kontakte sei inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Anneli Metz ist sich sicher, dass es auch dann weiterbestehen wird, wenn die beiden ihre Belange einmal selbst regeln können.

Neben Anneli Metz besucht ein älteres deutsches Ehepaar aus Jockgrim, das ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte, den sympathischen Flüchtling und seinen Sohn regelmäßig im Café Bunt. Im Supermarkt ist ihnen der junge Mann aufgefallen, weil er ihnen besonders höflich begegnete. Da sie schon längere Zeit den Wunsch hatten, sich mit einem Asylbewerber auszutauschen, suchten sie ihn im Café Bunt und trafen ihn tatsächlich dort an. Seither stehen sie regelmäßig mit ihm in Kontakt, nicht nur in der Begegnungsstätte im Parkring.

Schwind freut sich über dieses wirklich positive Beispiel der Integration. Er ist fest davon überzeugt, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt. Vater, Sohn, Anneli Metz als Patin und das Jockgrimer Ehepaar stünden in diesen Tagen stellvertretend für viele bewegende Geschichten und Einzelschicksale von Flüchtlingen.